Ein Zauberkünstler sorgt – von der Zauberszene weitgehend unbemerkt – seit Wochen für ausverkaufte Vorstellungen am Tiroler Landestheater in Innsbruck.

Der junge Schauspieler Florian Granzner spielt in Johann Nepomuk Nestroys Posse mit Gesang „Der Talisman“ den Titus Feuerfuchs. In dieser Hauptrolle hat er die Herzen des Tiroler Publikums erobert und brilliert in einer temporeichen, klugen und sehr aktuellen Inszenierung. Gestern ging die letzte Vorstellung über die Bühne. Das Haus war, wie schon an den Abenden zuvor, restlos ausverkauft.
Nach der Vorstellung war nicht der richtige Moment, die Abschiedsfeier des Ensembles zu stören. Aber ich werde versuchen, Florian Granzner für den Aladin zu einem Interview zu gewinnen. Auf der Suche nach seinen magischen Wurzeln habe ich einige Projekte gefunden, die allerdings schon fast zehn Jahre zurückliegen. Doch wer einmal von der Zauberkunst fasziniert ist, bleibt ihr in irgendeiner Form meistens verbunden.

Granzner, 1997 in Linz geboren, sammelte seine ersten Bühnenerfahrungen nicht nur im Schauspiel, sondern auch als Magier in Oberösterreich und Salzburg. Seit der Spielzeit 2020/21 ist er festes Mitglied des Schauspielensembles am Tiroler Landestheater. Gerade diese Verbindung macht ihn für uns Zauberkünstler besonders interessant: Hier steht jemand auf der Bühne, der die Welt der Magie kennt, aber zugleich das Handwerk des Theaters gelernt hat.


Fotos: Tiroler Landestheater, Hanno Rhomberg
Auch die Inszenierung war bemerkenswert. Die hervorragende Besetzung und die geschlossene Gesamtleistung des Ensembles machten den Abend zu einem besonderen Theatererlebnis. Alles griff ineinander, trug die Geschichte und gab Granzners Titus Feuerfuchs den idealen Rahmen. Drehbühne und Bühnenbild sorgten zusätzlich für große Dynamik und führten das Publikum laufend an neue Orte. Wie bei Nestroy üblich, wurden die Couplets in die Gegenwart geholt und mit aktuellen politischen Anspielungen ergänzt. Das Publikum dankte es mit herzhaftem Lachen.
Dabei ist „Der Talisman“ alles andere als bloß leichte Kost. Nestroy erzählt die Geschichte des Titus Feuerfuchs, eines rothaarigen Außenseiters, der wegen seines Aussehens verspottet und ausgegrenzt wird. Erst eine schwarze Perücke – sein scheinbarer Talisman – öffnet ihm plötzlich Türen in eine Gesellschaft, die mehr auf Schein als auf Sein achtet. Vorurteile, Heuchelei, Opportunismus, Geld und Status werden gnadenlos offengelegt. Was 1840 geschrieben wurde, wirkt heute erschreckend aktuell.
Für mich war dieser Abend auch deshalb spannend, weil er gezeigt hat, wie nahe sich Schauspiel und Zauberkunst eigentlich stehen. Zauberei entsteht nicht durch Tricks und Methoden allein. Sie entsteht durch Persönlichkeit, Timing, Sprache, Haltung, Präsenz und die Fähigkeit, Menschen wirklich zu erreichen.
Genau hier könnten wir Zauberkünstler viel vom Theater lernen. Während Schauspieler mit Casting, Regie, Probenarbeit, Kritik und harter Vorbereitung leben, glauben wir manchmal zu schnell, ein gutes Kunststück, ein neues Requisit oder eine selbstbewusste Website würden schon genügen. Doch wer sich nur hinter Tricks versteckt, bleibt Trickser. Wer mit sich selbst, seiner Figur und seiner Wirkung arbeitet, kommt der Kunst näher.
Dieser Abend war für mich deshalb mehr als ein gelungener Theaterbesuch. Er war eine Erinnerung daran, öfter über den Tellerrand zu schauen: ins Theater, ins Kabarett, in die Musik, in den Tanz, in alle darstellenden Künste.
Danke an Florian und dem gesamten Team für diesen besonderen Abend!
